„Namen des Sieges – Teil 1“

Wir beginnen unsere kleine Serie heute mit einer herausragenden Person des antifaschistischen Widerstandes im besetzten Frankreich:

Olga Bancic [geborene Golda Bancic]
Deckname in der Resistance: Pierrette

Olga Bancic

Olga Banic war eine Kämpferin in der kommunistischen Resistancé-Organisation Francs-tireurs et partisans – main d’œuvre immigrée (FTP-MOI).

Die FTP-MOI war eine Untergruppe der FTP, in der sich vor Allem Kommunistinnen und Kommunisten (oftmals jüdischer Abstammung) die aus anderen Ländern wegen der Verfolgungung durch die Nazis nach Frankreich emigriert waren, organisierten.

Olga Bancic wurde am 10. Mai 1912 in Chișinău (heutiges Rumänien) in einer jüdischen Familie geboren.
Schon als Kind musste Sie in einer Matratzennfabrik arbeiten.
Als Sie dort an einem Streik teilnahm, machte Sie erste Erfahrungen mit der (für ihre Brutalität berüchtigten) rumänischen Polizei und wurde schwer misshandelt und zusammengeschlagen.
Doch die Repression erreichte ihr Ziel nicht und Olga verstärkte sogar noch ihr Engagement in Gewerkschaften und trat der Kommunistischen Partei Rumäniens bei.
1938 reiste sie nach Frankreich und schmuggelte, gemeinsam mit anderen Kommunisten, Waffen nach Spanien, um die Verteidiger der Republik, die gegen die Faschisten um General Franco kämpften, zu unterstützen.
Währendessen wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.
In dieser Zeit lernte Sie ihren späteren Ehemann Alexandru Jar (ein rumänischer Schriftsteller und Kommunist) kennen und bekam eine Tochter.

Nach dem Einmarsch der Nazis, schloss sich Olga der FTP-MOI an.

Ihre Gruppe betätigte sich vielfältig im Widerstand.
Sie half Jüdinnen und Juden vor den Nazis zu verstecken, beging Sabotageakte gegen die deutschen Besatzer, betrieb militärische Aufklärung für die Alliierten und verteilte Flugblätter und antifaschistische Schriften.

Vor Allem aber erregte Sie mit spektakulären Exekutionen von hochrangigen Nazis und deren Kollaborateuren, oftmals auf offener Straße am hellichten Tage, Aufsehen.

Dabei kam den Frauen in Resistance eine besondere Rolle zu.
Da die Nazis, aufgrund ihres Weltbildes, Frauen nicht als Kämpferinnen oder allgemein als Bedrohung wahrnahmen, konnten Sie sich freier in feindlicher Umgebung bewegen als Männer, ohne Verdacht zu erregen.

Daher waren Sie vor Allem im Schmuggeln von Waffen und Munition eingesetzt.

Arsène Tchakarian (Resistacé-Kämpfer armenischer Herkunft) schildert es folgendermaßen:

„Die Frauen, die die Waffen transportierten, machten eine gefährlichere Arbeit als diejenigen, die mit den Handwaffen kämpften, sie konnten sich nicht verteidigen.
Der Chef der Gruppe bereitete die Aktion vor, dann führte er seine Kameraden zum Treffpunkt. Die Frauen – Anna Richter, Olga Bancic – mussten zur angegebenen Stunde die Handgranaten und Revolver (wir hatten sehr wenige) [zum Treffpunkt] bringen. Es galt außerdem, diese nach der Aktion wieder aufzunehmen. Das exponierte sie außerordentlich, da nach dem Aufruhr eines Anschlags das Viertel von den deutschen Sicherheitskräften eingekreist wurde, die Häuser durchsucht und die Wagen der Métro angehalten wurden. Die Männer, die geschossen hatten, flüchteten sofort danach mit Fahrrädern, aber Olga, die gewartet hatte, bis die Männer ihre Arbeit abgeschlossen hatten, bewegte sich nicht und nahm die Waffen nahe einer Métro-Haltestelle wieder auf.“

Paula Schwartz schreibt in Partisans and Gender Politics in Vichy France:

Partisanen-Frauen der Französischen Résistance, von denen viele zu mit der Französischen Kommunistischen Partei (PCF) in Beziehung stehenden Kampfgruppen gehörten, durchbrachen die Geschlechts-Barriere, indem sie Seite an Seite mit den Männern kämpften. Als Frauen machte sie ihre angebliche „Unsichtbarkeit“ zu idealen Untergrund-Agenten, ob sie nun als Kämpferinnen teilnahmen oder als nicht-kämpfende Mitglieder von geschlechts-integrierten Kampfteams. Anpassungsfähiges Verhalten und unscharfe Identitäten erklärten und entschuldigten das Eindringen von Frauen in männliches Territorium.

Olga nahm während ihrer Zeit in der Resistance an über 100 Aktionen gegen die deutschen Besatzer teil.

Am 06. November 1943 wurde Olga von der französischen Geheimpolizei verhaftet und schwer gefoltert.
Sie gab keinerlei Informationen preis.
Anschließend wurde Sie in einem Schauprozess zum Tode verurteilt.
Da, aufgrund einer gesetzlichen Eigenheit, Frauen in Frankreich nicht hingerichtet werden durften, wurde Sie nach Stuttgart überführt.
Dort wurde Sie erneut zum Tode verurteilt und weiterhin von der Gestapo gefoltert.
Auch hier verriet Sie keinerlei Informationen.

Am 10. Mai 1944, ihrem 32. Geburtstag, wurde Sie in einem Gefängnis in Stuttgart von den Nazis ermordet.

Olga Bancic – Unvergessen!
Wir vergeben Deinen Mördern nicht!